So ein Abschiedsspiel kann sich ein Fußballer nur wünschen: Bernd Kugler bestritt seine letzte Partie für den SV Meppen am 3. August 1982. Beim legendären Freundschaftsspiel gegen den FC Barcelona mit Superstar Diego Maradona. „Das war ein Ereignis“, wird der Torwart, der am heutigen Samstag 80 Jahre alt wird, diesen Tag nie vergessen.
15 Minuten stand Kugler vor mindestens 18.000 Zuschauern auf dem Platz im damaligen Hindenburgstadion, das aus allen Nähten platzte. Bei seinem letzten Auftritt kassierte er einen Gegentreffer durch einen aus seiner Sicht zweifelhaften Strafstoß. Der Schütze war Maradona, der Ball unhaltbar. „Ich bin in die falsche Ecke gegangen“, erinnert sich der Keeper mehr als 44 Jahre danach. Erst später wurde ihm klar, dass er damit der erste Torwart war, dem Maradona in Diensten des FC Barcelona in Europa einen Ball ins Netz schoss. Bei Länderspielen hatte der argentinische Nationalspieler zuvor schon in Schottland und Österreich getroffen.
Der in Hemmoor (Landkreis Cuxhaven) geborene Kugler begann seine fußballerische Laufbahn mit sieben oder acht Jahren beim Heimatverein BSV Basbeck als Mittelstürmer. Erst später wechselte er ins Tor. Im Seniorenbereich führte der Weg über TSV Eiche Warstade und den VfL Stade, der damals unter den Fittichen des Hamburger Fußballverbandes startete, 1969 zu den Amateuren von Werder Bremen. Nach einem Jahr bekam Kugler einen Vertrag für die „Erste“ und war damit Kandidat auf die Nachfolge des legendären Günter Bernard im Tor der Grün-Weißen. „Das war genau das, was ich eigentlich wollte. Aber ich war, glaube ich, zu sensibel, hatte zu wenig Unterstützung, um das mental durchzuhalten.“ Dazu kam eine langwierige Erkrankung. Kugler kehrte nach der Genesung zu den Amateuren zurück. 1971 wechselte er zum Regionalligisten PSV Bremen.
Zwei Jahre später erhielt der Auswahlspieler der Landesverbände Bremen und Niedersachsen ein Angebot vom SV Meppen. Ausgerechnet im letzten Spiel für Bremen brach er sich den Daumen. Der Gipsverband verhinderte den Wechsel ins Emsland nicht, wo das spätere Präsidiumsmitglied Dr. Hermann Jehn den Bruch untersuchte. „Der SV Meppen war überzeugt von mir.“ Die Verletzung machte einen Einstand gegen Ajax Amsterdam mit Johan Cruyff, Johan Neeskens, Arie Haan, Wim Suurbier& Co zunichte. Dem Torwart blieb nur die Zuschauerrolle beim 0:4. Dennoch nennt er die Partie ein Highlight.
Der SVM wollte sich für die 1974 geplante zweigleisige 2. Bundesliga qualifizieren. Weil er in der Fünfjahreswertung nicht genug Punkte gesammelt hatte, brauchte er eine Top-Platzierung. „Die Chance war da, wir hatten eine gute Mannschaft“, erinnert sich Kugler an weitere Zugänge wie Heinz Stauvermann (RW Essen), Dieter Trippelt (Werder Bremen), Hans-Hermann Mindermann (SV Wilhelmshaven) und Lothar Gans (TuS Haste). 14.000 Zuschauer beim 0:0 gegen den VfL Osnabrück bedeuteten einen neuen Punktspiel-Besucherrekord im Hindenburgstadion. Aber am Ende reichte es nur zu Platz acht. Der Traum von der 2. Liga platzte. Der SVM musste noch 13 Jahre warten.
1974 sorgte der neue Coach Klaus Basikow für frischen Wind. „Er hatte andere Vorstellungen von der Trainingsarbeit und kümmerte sich ein bisschen mehr um die Torwarte“, sagt Kugler. Bis dahin trainierten sich die Torhüter quasi selbst. 1978 brachte der junge Fußball-Lehrer Hans-Dieter Schmidt noch einmal zusätzlichen Schwung in den Verein, „und uns dem großen Fußball etwas näher.“
Nach der zwischenzeitlichen Rückkehr von Michel stieg Meppen 1978 in die Landesliga ab. Kugler, der trotz Anfragen von Hessen Kassel und Atlas Delmenhorst im Emsland blieb, zeichnete nach der Entlassung von Michel als Coach verantwortlich, konnte den Gang in die Landesliga aber nicht verhindern. Nach nur einem Jahr erreichte der SVM als Meister die Aufstiegsrunde. Als Gruppenzweiter qualifizierte er sich im Entscheidungsspiel gegen den VfR Neumünster für die Oberliga. Kugler beendete seine fußballerische Laufbahn 1982 nach 248 Punktspielen für Meppen.
Danach war Kugler jeweils vier Jahre Trainer der zweiten Mannschaft und bei Sparta Werlte. Dann kehrte er zurück zur Meppener Zweiten. Unter Horst Ehrmantraut und Paul Linz war er fünf Jahre Co-Trainer, kümmerte sich auch um die Torwarte und um die Spielbeobachtung. „Den Meppener Abstieg habe ich nicht mehr miterlebt“, sagt er.
Denn Kugler folgte Ehrmantraut zu den nächsten beiden Stationen bei Eintracht Frankfurt und Hannover 96 als Spielbeobachter. Mit der Eintracht feierte der Meppener 1998 die Rückkehr in die Bundesliga und wurde im Dezember gemeinsam mit Ehrmantraut entlassen. Später folgten 14 gemeinsame Monate bei Hannover 96.
„Mir hat es in Meppen gut gefallen“, stellt Kugler fest, der hier mit seiner Familie heimisch geworden ist. Den SVM verfolgt er noch immer, hat die ersten Heimspiele nach dem erneuten Drittligaaufstieg im Stadion gesehen. Eine enge Verbindung hat er zu den ehemaligen Mitspielern Hubert Hüring und Peter Höfer.



